Rheinmetall
Lesezeit: ~6 Min
Autor: Attila Tevi
Kurs: 1.138,80 €
Zielzone: 994,60 – 761,30 €
Der Auftragsbestand hat erstmals 80 Milliarden Euro überschritten. Der Kurs steht trotzdem 43 Prozent unter seinem Hoch. Wie passt das zusammen?
von Attila Tevi · Tevi Trades · 30.07.2026 · ~6 Min Lesezeit
Am 29. Juli hat Rheinmetall vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, die man ohne Übertreibung als stark bezeichnen kann. Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte von 276 auf 562 Millionen Euro. Der Auftragsbestand überschritt erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro. Die Aktie reagierte mit einem Sprung von zeitweise über fünf Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als 30 Tagen.
Dieser höchste Stand seit 30 Tagen liegt allerdings immer noch 43 Prozent unter dem Hoch von 1.988,20 Euro. Ein Unternehmen mit vollen Büchern, verdoppeltem Gewinn und einem Auftragsbestand, der mehrere Jahresumsätze abdeckt, hat in wenigen Monaten fast die Hälfte seines Börsenwerts verloren.
Wer nur auf die Fundamentaldaten schaut, kann das nicht erklären. Aus meiner Sicht muss man an dieser Stelle unterscheiden zwischen guten Zahlen und einem guten Einstieg. Das sind zwei völlig verschiedene Fragen.
Der Rüstungssektor hat seine Neubewertung hinter sich, nicht vor sich. Die Kursentwicklung der Jahre 2024 und 2025 war die Vorwegnahme genau dessen, was Rheinmetall jetzt in den Zahlen ausweist. Als der Kurs bei 1.988 Euro stand, war ein Auftragsbestand von 80 Milliarden bereits eingepreist — sonst hätte es diesen Kurs nicht gegeben.
Was jetzt geliefert wird, bestätigt also die Erwartung von damals. Es übertrifft sie nicht.
Dazu kommt ein Detail, das in den Schlagzeilen unterging: Der Konzern rechnet für das zweite Quartal mit einem deutlich negativen operativen freien Cashflow. Anzahlungen haben sich in spätere Perioden verschoben, gleichzeitig wurden Vorräte für kommende Quartale aufgebaut. Bei einem so schnell wachsenden Auftragsbestand ist das nichts Ungewöhnliches — Wachstum kostet zuerst Geld, bevor es Geld bringt. Aber es zeigt, dass zwischen gemeldetem Ergebnis und tatsächlichem Zahlungsstrom eine Lücke liegt.
Die strukturelle Nachfrage bleibt davon unberührt: das NATO-Ziel von fünf Prozent Militärausgaben, der Verteidigungsetat als größter Zuwachsposten im deutschen Haushalt, deutsche Rüstungsexporte, die sich im ersten Halbjahr vervierfacht haben. Die Frage ist nicht, ob Rheinmetall diese Aufträge bekommt. Die Frage ist, zu welchem Kurs man das kauft.
Hier wird der Chart deutlicher als jede Meldung.
Die Wellenstruktur. Nach meiner Zählung hat Rheinmetall mit dem Hoch bei 1.988,20 Euro die Welle (1) einer größeren Struktur abgeschlossen — der Impuls, der beim Tief der Welle (IV) im November 2024 seinen Ausgang nahm und in fünf Teilwellen bis ins erste Quartal 2026 lief. Was seither läuft, ist die Welle (2). Und eine Zwei ist keine Trendwende, sondern eine Korrektur im Trend. Ihre Aufgabe ist es, die Übertreibung abzubauen — nicht, den Trend zu beenden.
Entscheidend ist am Ende, wo sie das tut.
Die Chart-Geometrie. Vom Tief der Welle (IV) im November 2024 steigt ein Gann-Winkel von 45,25 Grad. Vom Hoch der Welle (1) fällt ein Winkel von 44,54 Grad. Diese beiden Linien laufen aufeinander zu, und ihr Schnittpunkt liegt nicht irgendwo: Er fällt in den Bereich der Fibonacci-Zielzone — zeitlich im Fenster zwischen dem späten Jahr 2026 und dem frühen Jahr 2027.
Genau das ist der Punkt, an dem Gann interessant wird: Preis und Zeit treffen sich an derselben Stelle. Wenn ein Markt in einer Zone dreht, in der eine steigende Unterstützung und ein fallender Widerstand zusammenlaufen, ist das keine Zufallsmarke. Es ist die Stelle, an der die Struktur eine Entscheidung erzwingt.
Meine Erwartung: Die Trendwende baut sich im Bereich zwischen 994,60 und 761,30 Euro auf. Nicht als einzelner Tag, sondern als Prozess über mehrere Wochen.
| Marke | Kurs | Bedeutung |
|---|---|---|
| Hoch Welle (1) | 1.988,20 € | Ausgangspunkt der laufenden Korrektur |
| Aktueller Kurs | 1.138,80 € | Noch oberhalb der Zielzone |
| 50 % Retracement | 994,60 € | Oberkante der Zielzone |
| 61,80 % Retracement | 761,30 € | Unterkante der Zielzone |
| 85,60 % Retracement | 290,65 € | Nicht mein Szenario — hier wäre die Zählung falsch |
Rheinmetall liefert operativ genau das, was der Markt 2025 vorweggenommen hat. Deshalb bewegt die Meldung den Kurs kaum — die Nachricht liefert nur das Narrativ, der Markt hatte die Information länger.
Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob die Zahlen gut sind. Sie sind es. Die spannende Frage ist, ob die Korrektur ihre Zone erreicht und wie sie sich dort verhält. Zwischen 994,60 und 761,30 Euro, in einem Zeitfenster, in dem zwei Gann-Winkel zusammenlaufen, entscheidet sich, ob aus der Welle (2) ein Boden wird oder etwas Größeres.
Bis dahin gilt: abwarten und die Zone beobachten. Struktur statt Spekulation.
Die laufende Wellenzählung, das exakte Zeitfenster und die Bestätigungsmarken für den Einstieg bespreche ich fortlaufend im Club — mit Chart-Updates, sobald sich die Struktur verändert.
Quellen: Rheinmetall AG, vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vom 29.07.2026; vollständiger Halbjahresbericht am 06.08.2026. Chart: TradingView, Rheinmetall AG · XETR · Tageschart, Stand 30.07.2026.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Analysen basieren auf methodischen Modellen und Szenarien. Vergangene Muster sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Investitionsentscheidungen sollten stets auf Basis eigener Recherche und unter Berücksichtigung der persönlichen Risikobereitschaft getroffen werden.